
Constantin Schreiber Nahostexperte (Mitte) mit Marina Tcharnetsky, Caroline Freisfeld, Kristina Tröger CeU-Präsidentin, Sabine Menges-Rosowski und Katharina Gutensohn
Der Club europäischer Unternehmerinnen (CeU) unter Führung von Initiatorin und Präsidentin Kristina Tröger begrüßte im Hotel Vier Jahreszeiten diesmal den Journalisten, Bestsellerautor und Nahost-Experten Constantin Schreiber als Gast. Im CeU-Talk mit Kristina Tröger gab er Einblicke in seine Arbeit, seine Sicht auf den arabischen Raum und die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten.
Schreiber betonte, dass das Erlernen der arabischen Sprache der entscheidende Schlüssel zu seinem beruflichen Weg gewesen sei. Erst durch die Sprache habe er einen wirklichen Zugang zur Region, ihrer Kultur und ihren Menschen gefunden. Zugleich machte er deutlich, dass es gerade in Politik, Medien und Wissenschaft oft an echtem Verständnis für die Komplexität des Nahen Ostens fehle. Besonders das Thema Islam sei hochgradig polarisiert und werde häufig sehr emotional und zugespitzt diskutiert.
Auch über seinen Abschied von der Tagesschau sprach Schreiber offen. Nach sieben Jahren habe er den Punkt erreicht, an dem ihm die inhaltliche Gestaltungsfreiheit fehlte.
Mit Blick auf die Lage in der Golfregion unterstrich Schreiber deren große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung. Vor allem Dubai stehe für ein neues Selbstverständnis in der arabischen Welt: modern, international und zukunftsorientiert. Das Narrativ, dass Erfolg und Fortschritt nicht mehr nur im Westen möglich seien, habe für viele Menschen in der Region große Bedeutung. Umso gravierender seien die Folgen der aktuellen Spannungen und Angriffe durch den Iran, die dieses neue Selbstbild erschütterten. „Das macht etwas mit dem Mindset und das ist gefährlich.“
Zugleich warb Schreiber dafür, politische Systeme im Nahen Osten nicht ausschließlich an westlichen Maßstäben zu messen. Formen von Beteiligung und gesellschaftlichem Ausgleich existierten dort durchaus, seien jedoch anders gewachsen und strukturiert, als es in Europa üblich sei. Auch Europa und Deutschland selbst betrachtete er kritisch: Beide hätten in der Region deutlich an Sichtbarkeit und Bedeutung verloren.
Zum Abschluss schlug Schreiber einen Bogen zu seinem Buch über Resilienz und den Umgang mit negativen Nachrichten. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, wie wichtig es sei, bewusst auch positive Gedanken zu stärken. Humor, Natur, gutes Essen und Freundlichkeit könnten helfen, in schwierigen Zeiten psychisch stabil zu bleiben. Zudem stellte er seine Toleranzstiftung vor, die mit Projekten wie „Media for Future“ den Austausch zwischen Wissenschaft, Journalismus und Jugend fördern will.
Ein kurzweiliger und sehr interessanter Abend zu einem wirklich schwierigen und komplexen Thema, das uns alle betrifft – ein Highlight in der langen und erfolgreichen Veranstaltungsgeschichte des CeU!
















