Julia Becker Verlegerin Funke Medien, Paul Ronzheimer Journalist Kriegsreporter und BILD-Vize, Kristina Tröger CeU-Präsidentin

Auf Einladung von Club-Präsidentin und Initiatorin Kristina Tröger begrüßte der Club europäischer Unternehmerinnen den vielfach ausgezeichneten Journalisten, Kriegs- und Krisenreporter, Buchautor, Fernsehmoderator und Podcaster Paul Ronzheimer zu einem außergewöhnlich spannenden Abend im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg.

Unter dem Titel „Wenn Nachbarn Feinde werden – Wie kommen wir aus der Polarisierung der Gesellschaft?“ stand eine der drängendsten Fragen unserer Zeit im Mittelpunkt: Wie bewahren wir in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft den demokratischen Zusammenhalt und die Fähigkeit, trotz unterschiedlicher politischer Überzeugungen miteinander im Gespräch zu bleiben?

Paul Ronzheimer, stellvertretender Chefredakteur bei BILD und eines der bekanntesten journalistischen Gesichter Deutschlands, berichtet seit vielen Jahren aus internationalen Kriegs- und Krisengebieten. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als „Journalist des Jahres 2022“ und mit dem Pressefreiheitspreis 2025. Mit seinem erfolgreichen Podcast „RONZHEIMER.“ spricht er täglich über die großen politischen Entwicklungen unserer Zeit und seine Erfahrungen als Reporter.

Im Rahmen des mittlerweile legendären CeU-Talks entwickelte sich ein ebenso intensiver wie persönlicher Austausch, bei dem Ronzheimer nicht nur eindrucksvolle Einblicke in seine journalistische Arbeit gewährte, sondern auch offen über die aktuelle politische Situation in Deutschland, die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und die Zukunft unserer Demokratie sprach.

Besonders eindrucksvoll waren seine Schilderungen aus den ersten Tagen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Ronzheimer berichtete von einer Begegnung mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, den er in dessen Amtssitz in Kiew interviewt hatte. Während die Welt mit großer Sorge auf die ukrainische Hauptstadt blickte und ungewiss war, wie sich die dramatische Situation entwickeln würde, erlebte er Selenskyj als bemerkenswert ruhig, konzentriert und fokussiert. Eine Begegnung, die ihm gerade angesichts der außergewöhnlichen Umstände besonders in Erinnerung geblieben ist.

Überraschend beantwortete Ronzheimer auch die Frage, welchen politischen Akteur er trotz aller Entwicklungen gerne noch einmal interviewen würde: Wladimir Putin. Gerade diese Antwort bot einen interessanten Einblick in seine journalistische Herangehensweise und die Bereitschaft, sich auch mit höchst umstrittenen politischen Persönlichkeiten auseinanderzusetzen.

Einen zentralen Schwerpunkt des Abends bildete die zunehmende Polarisierung der deutschen Gesellschaft. Diskutiert wurden das Erstarken politischer Kräfte an den Rändern, die wachsende Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien und die Frage, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf unsere Demokratie haben.

Ronzheimer vertrat dabei eine differenzierte und überraschend zuversichtliche Position: Trotz zunehmender politischer Spannungen sehe er Deutschlands Demokratie dank ihrer stabilen Strukturen nicht grundsätzlich gefährdet. Entscheidend sei jedoch, demokratische Werte auch im gesellschaftlichen Alltag zu leben.

Diskutiert wurde zudem das Erstarken der politischen Ränder. Wahlentscheidungen seien häufig weniger Ausdruck einer Überzeugung für konkrete Parteiprogramme als vielmehr des Wunsches nach Veränderung. Kritisch beleuchtete Ronzheimer dabei auch Versäumnisse der etablierten Politik, die auf gesellschaftliche Entwicklungen vielfach zu spät reagiert habe und den aktuellen Herausforderungen nicht immer angemessen begegne.

Besonders persönlich wurde das Gespräch, als Ronzheimer auf seine Arbeit in den gefährlichsten Regionen der Welt angesprochen wurde. Suche er bewusst die Nähe zum Krieg? Sei es eine besondere Risikobereitschaft, die ihn immer wieder an Orte führe, an denen sein eigenes Leben bedroht sein könnte?

Seine Antwort war eindeutig: Keineswegs gehe es ihm darum, die Gefahr um ihrer selbst willen zu suchen. Im Mittelpunkt stehe vielmehr sein journalistischer Auftrag, Menschen zu informieren und unmittelbar von den Orten zu berichten, an denen sich entscheidende Ereignisse abspielen. Dabei betonte er auch die große Bedeutung, die er der Sicherheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beimisst.

Diese persönlichen Einblicke führten zu einer weiteren wichtigen Frage des Abends: Welche Verantwortung trägt der Journalismus in einer Zeit, in der politische Debatten zunehmend polarisiert geführt werden und unterschiedliche Sichtweisen immer stärker aufeinanderprallen?

Im Talk – Paul Ronzheimer Journalist Kriegsreporter und BILD-Vize, Kristina Tröger CeU-Präsidentin

Ronzheimer sprach über seinen Anspruch, Menschen zu informieren und ihnen durch seine Berichterstattung unmittelbare Einblicke in politische Entwicklungen und internationale Krisen zu ermöglichen. Seine Erfahrungen aus der Ukraine und anderen Krisengebieten verdeutlichten dabei, wie wichtig journalistische Präsenz vor Ort ist, um Ereignisse aus erster Hand zu schildern und für ein breites Publikum nachvollziehbar zu machen.

Ein weiteres zentrales Thema war die Bedeutung von Bildung und historischer Verantwortung für unsere Demokratie. Ronzheimer betonte, wie wichtig es sei, sich intensiver mit der deutschen Geschichte und insbesondere mit Auschwitz auseinanderzusetzen, das Bewusstsein für demokratische Werte zu stärken und für Freiheit einzustehen.

In der lebendigen Diskussion mit Kristina Tröger und den zahlreichen CeU-Unternehmerinnen über politische Verantwortung, gesellschaftliche Spaltung und die Zukunft unserer Demokratie überzeugte Ronzheimer durch Offenheit, persönliche Erfahrungen und klare Antworten auf kritische Fragen. Seine vergleichsweise zuversichtliche Einschätzung der demokratischen Stabilität Deutschlands eröffnete dabei interessante Perspektiven, ohne die bestehenden politischen Herausforderungen auszublenden.

Ein besonders spannender und erkenntnisreicher CeU-Abend mit einem beeindruckenden Journalisten, der die Krisen unserer Zeit aus nächster Nähe erlebt und eindrucksvoll zeigte, wie wichtig der offene Dialog, unterschiedliche Perspektiven und die Bereitschaft zum Austausch gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung sind.

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