Dr. Sonja Lahnstein-Kandel und Kristina Tröger

„Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge“, so heißt es in einem alten israelischen Sprichwort. Deshalb entschied sich der Club europäischer Unternehmerinnen e.V. (CeU) unter Leitung der Präsidentin Kristina Tröger dafür, den 1. CeU Länder-Themenabend Israel zu widmen: Einem Land, mit dem Deutschland eine ganz besondere Beziehung verbindet und das doch nur den wenigsten vertraut ist.

Dr. h. c. Sonja Lahnstein-Kandel, Gründerin der gemeinnützigen Initiative „step 21“ – Initiative für Toleranz und Verantwortung, Mitinhaberin von Lahnstein & Partner International Consultants, geschäftsführende Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Israel-Museums und Mitglied des Aufsichtsrats der Universität Haifa, kam für den Club europäischer Unternehmerinnen e. V. ins Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten zu einem Vortrag und Dialog zum Thema „Israel: Das eigentlich unbekannte Land“.

Für Dr. Lahnstein-Kandel sind Toleranz und Verantwortung mehr als Worte. Es sind Werte, die mit Leben gefüllt werden müssen, und für ihr unermüdliches Engagement für diese Werte erhielt sie auch das Bundesverdienstkreuz am Bande. Dr. Lahnstein-Kandel hob in ihrem Vortrag hervor, dass Israel zwar der einzige Staat auf der Welt mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit ist, dass es sich dabei aber um Einwanderer und deren Kinder aus der ganzen Welt handelt. Die Multikulturalität mit diversen Ethnien und Religionen stellt eine besondere Herausforderung dar, aber auch eine besondere Chance. Die Multikulturalität sorgt nach Dr. Lahnstein-Kandel für einen besonders kreativen Nährboden für die heimische Wirtschaft. So ist Israel nicht umsonst ein wirtschaftlich blühendes Land und gilt als Start-up-Nation mit einer enormen Konzentration an Unternehmertum. Für diesen unternehmerischen Boom sieht Dr. Lahnstein-Kandel jedoch noch mehr Gründe. Zum einen sorgt die Lage als kleines Land mitten im Nahen Osten mit eher feindseligen Nachbarn dafür, dass der Überlebenswille gegen alle Widerstände außerordentlich ausgeprägt ist. Die Bereitschaft, nicht aufzugeben, und auch wenn man scheitert, weiterzumachen, ist eine ideale Basis fürs Unternehmertum.

Zum zweiten herrscht eine Kultur der Improvisation vor, in der man es gewohnt ist, auf Basis minimaler Informationen schnelle Entscheidungen mit großer Tragweite zu treffen. Auch Autoritäten werden grundsätzlich hinterfragt, was die Bereitschaft vergrößert, neue Wege zu gehen. Und die Demographie des Landes ist neben der Multikulturalität geprägt von einer hohen Geburtenrate und einem hohen Anteil an jungen Menschen. Aber auch religiöse Aspekte spielen eine Rolle. So ist die jüdische Religion weniger einschränkend gegenüber in christlichen Kulturen stärker in der Diskussion stehenden wissenschaftlichen Entwicklungen, wie z.B. der Stammzellforschung. Nicht umsonst kommen viele führende Biotech-Unternehmen aus Israel.

Als kleines Land mit grundsätzlich wenig Ressourcen hat man früh die Bildung der Bevölkerung priorisiert und damit der heutigen Wissensgesellschaft den Weg bereitet. Auch spielt hier die Armee eine wichtige Rolle. Da grundsätzlich jeder Israeli, egal ob Mann oder Frau, nach der Schule für mehrere Jahre in die Armee muss, investiert die Armee im staatlichen Sinne weiter in die Köpfe des Landes und bildet junge Menschen in der Armee weiter. Sie ermöglicht diesen auch früh Verantwortung zu übernehmen und dabei sehr viel fürs Leben zu lernen. So ist es nicht ungewöhnlich, dass 22jährige beispielsweise U-Boot-Kommandanten werden. So entwickeln sich Fähigkeiten und ein Selbstverständnis, das hervorragend zu einem blühenden Unternehmertum passt. Und schließlich gibt es für Start-ups ein reiches Ökosystem von unterstützenden Dienstleistern, viel Venture Capital, sehr regen Forschungseinrichtungen, die auch selbst vermarkten können und sollen, sowie eine dem Unternehmertum positiv gegenüberstehende Mentalität in der Gesellschaft. Beim Zufluss von Venture Capital hilft wiederum die Multikulturalität des Landes. So kommen viele finanzielle Mittel aus den Zuwandererländern wie dem Postsowjetischen Raum oder historisch verbundenen Ländern wie den USA.

Volkswirtschaftlich betrachtet unterstützt der israelische Staat u.a. durch eine Israeli Innovation Authority den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Universitäten. Und auch die Kanalisierung von Venture Capital wird in Israel durch öffentliche Stellen vorgenommen. Genauso spielt die Armee bei der Förderung der Wirtschaft eine Rolle. Aufgrund der regionalen Bedrohungssituation investiert der Staat viel in eine glänzend ausgestattete Armee auf extrem hohen technologischen Niveau. Die Ergebnisse der Forschung in diesem Bereich sollen aber explizit auch in der Zivilgesellschaft verwendet werden, um mit den vorhandenen Mitteln einen möglichst großen Effekt zu erzielen.

Im Hinblick auf die besondere Beziehung zwischen beiden Ländern sieht Dr. Lahnstein-Kandel Deutschland in Sachen Erinnerung an den Holocaust und Gewissensforschung als vorbildlich an. Sie appelliert jedoch eindringlich daran, die besondere Verantwortung Deutschlands auch in Zukunft nicht zu vergessen, und sieht dies als Herausforderung, die es zu meistern gilt.

Die geladenen Unternehmerinnen waren beeindruckt von den interessanten und tiefgründigen Ausführungen von Dr. Lahnstein-Kandel zu einem Land, das in seiner Bedeutung und Vielfalt noch viel zu oft unterschätzt wird. In einem wie üblich wundervollen Rahmen tauschten die Ladies sich noch lange über das Gehörte aus. Ein, wie alle fanden, passender und begeisternder Einstieg in das neue Länder-Themenabend-Format des Clubs europäischer Unternehmerinnen e.V..

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